Planet Alex

A FILM BY ULI M SCHUEPPEL

 

102min, MiniDV/35mm, color, Dolby Digital SR

PREMIERE: Max-Ophüse-Preis, Saarbrücken 2001 (Wettbewerb)

FESTIVALS: Internationales Russland Festival Sochi (Competition); Sarajevo-Festival (New Currents);Golden Horse-FilmFestival, Taipeh, Taiwan; New Films, Museum of Modern Art, NY; Hirshhorn-Smithsonian, Washington; SeNef-Festival for Digital Media, Seoul,Korea…

„Planet Alex“ lässt sich direkt HIER als VoD-Stream anschauen!

 

planet alex from schueppel-films on Vimeo.

„Es gibt eine Ordnung –
aber wir kennen sie nicht“

Berlin Alexanderplatz 2000 – innerhalb von 24 Stunden kreisen etliche Geschichten zwischen den Höhen und Tiefen des Platzes, zwischen Fernsehturm und U-Bahnschächten, zwischen großen und kleinen Schicksalen, und finden erst nach und nach überraschend zueinander…

Da ist ASAKI (Marusha) – sie glaubt an die nahende planetarische Katastrophe, sieht die sich anbahnenden dramatischen Zusammenhänge und ist auf Mission die Stadt zu retten. Oder ANNA (Marie Zielcke), die eigentlich nur übers Wochenende nach Berlin kommen wollte, um endlich mal zu wissen, was es heißt ‚abzuheben‘. Doch sie hat es sich ganz anders vorgestellt. Auch KATJA (Nadeshda Brennicke) dachte es sei leichter ihren lang geplanten Coup durchzuziehen. Aber bevor sie Berlin endgültig hinter sich läßt will sie eines klären: Wie ist ihr Freund Franz umge-kommen? War es wirklich nur ein Unfall?

Und nicht erst da kommt JO (Baki Davrak) ins Spiel. Er irrt zwischen den Geschichten umher, kann, oder will sich einfach nicht erinnern, wie das mit Franz geschah. Versteht nicht, warum sowohl der Wachschutzmann WALTER (Ben Becker), als auch der dubiose MILAN (Birol Uenel) hinter ihm her sind… Dabei würde er doch nur gern mit ANNA in eine andere Dimension fliegen. Aber dafür stehen die Planeten gerade schlecht..

Liebe, Mord, Großstadtmärchen, Drogen, Wahnsinn Witz und viel Musik – ‚planet alex‘ zappt wild durch die Genres. Ein schillerndes Feuerwerk von Ideen, daß letztlich in einer großen Geschichte mündet. Mit seinem treibenden Rhythmus porträtiert der Film ganz nebenbei das nur scheinbar orientierungslose Zentrum Berlins als pulsierend flirrendes Netzwerk…

 

Pressestimmen

Kino dessen Erzählrythmus am Puls der Zeit ist

SZ, C.Schreiner, 2001

…faszinierender, pulsierender Erzählrythmus.

Saarbrücker Zeitung, T.Kessler

Dem Zeitgefühl mittels Videotechnik und digitaler Zauberei auf den Leib gerückt.

Neues Deutschland, M. Voss, No 5007

Allerhand Gestrandete werden in einer modisch-psychodelischen Odyssee durch das orientierungslose Nervenzentrum Berlins gezappt

RNZ, A. Brandt

…Auf der anderen Seite bleiben Filme, deren Plot die Unmittelbarkeit des Hier und Heute nicht nur eingeschrieben ist, sondern deren harte Schnitte, überblendungen, Unschärfen und gebrochene Erzählrythmen unverkennbar einem Prinzip ‚Hyperrealität‘ folgen. Das gilt vor allem für ‚planet alex‘,’l’amour…‘ und ‚alaska.de‘, erzähltechnisch die drei auffälligsten und konsequentesten Filme des Festivals. Und auch diejenigen, die originär fürs Kino gemacht sind. Weil ihre Bildsprache, die heutzutage immer perfekter mit der Musik korrespondiert, im Heimkinoformat kaum noch lesbar ist. Filme, die formal nicht bei einer Clipästhetik stehen bleiben. Das läßt hoffen…

Saarbrücker Zeitung 2001

Een fantasirijke trip…

E.Bokkinga – de Volksgraant, Amsterdam

planet alex ist witzig, sehr dicht und nie langweilig…

Medien Journal 4.01, T. Nawarra

 

– uli m schüppel zu planet alex (Ausschnitte eines Interviews)

– Warum war es für Sie interessant, den Alexanderplatz ins Zentrum eines Films zu stellen?

ums: Zunächst einmal war Döblins “Alexanderplatz” immer schon eines meiner Lieblingsbücher und wohl auch ein wesentlicher Grund für mich, Anfang der 80er nach Berlin zu ziehen. Der Alexanderplatz ist auch heute noch ein Platz im Zentrum Berlins, an dem sich unzählige Geschichten abspielen. Zugleich ist der Platz einer der Nicht-Orte der modernen Stadt, man geht nicht extra dorthin, man passiert ihn, kreuzt ihn nur – am Alex zu stehen und den Menschen zuzusehen ist wie ein Blick durch ein Guckloch, du siehst Fragmente, den Rest, das Ganze muß man sich dazudenken.

– Und einige solcher Geschichten zeigen Sie in “planet alex” – welche Konzeption steht dahinter?

ums: . Die Kamera folgt wie eine eigenständige Person dieser und jener Figur, läßt sich treiben, mitreißen, führen. Und wenn alles gut geht, puzzeln sich die zunächst völlig unzusammenhängend erscheinenden Momente im Lauf des Films zusammen. Die Hauptgeschichten kristallisieren sich heraus und nur der Zuschauer in seiner Distanz ist weit genug entfernt, um zu erkennen, daß sie alle irgendwie zusammen gehören – wie die Planeten eines Sonnensystems. Und die Kugel des Fernsehturms ist eben die Sonne.

– Befürchten Sie nicht, daß so mancher Zuschauer überfordert ist mit diesem scheinbar wirren, komplizierten Aufbau?

ums – Wenn man sich hier mit ganz konventionellen Erwartungen ins Kino setzt, und permanent verzweifelt versucht den roten Faden zu finden, kann man verloren gehen. Das ist natürlich so nicht beabsichtigt. Ich denke, “planet alex” versucht die immer gleichen Sehgewohnheiten zu hinterfragen. Man muß sich einer völlig anderen Erzählweise öffnen, auch aus dem Unterbewußten wahrnehmen, in die Atmosphäre eintauchen, sich treiben lassen und nicht an seiner Logik, der permanenten “warum”-Frage, festklammern – dann ist der Film, so glaube ich, eine sehr ungewöhnliche, spannende Erfahrung, und nach 100 Minuten denkst du: “wow, was war das denn? Also, alles hab ich nicht ganz verstanden – muß ich nochma sehn!”

– Der Film wirkt manchmal fast dokumentarisch – unter welchen Bedingungen haben Sie gedreht?

ums: Also erst Mal sind natürlich die Geschichten, die Figuren und auch die Struktur extrem fiktiv und überhöht, also absolut nicht der Ansatz eines wirklichkeitsnahen Abbildes des Alexanderplatzes. Von der eigentlichen Drehsituation her könnte man dies allerdings schon so betrachten. Wir hatten ein sehr kleines Team, haben ohne Absperrungen am Set und fast ohne Filmlicht gedreht, immer Handkamera, zudem noch eine kleine, ganz unspektakuläre DV-Amateurkamera… Mir ging es darum, für die Darsteller und das Team eine Art “Live”-Drehsituation zu schaffen, die die Realität stets durchscheinen läßt. All die Orte und Gestalten, die den Alex eben so charakteristisch machen.
Trotz dieser Vorgaben war in unseren Köpfen immer der Vorsatz “großes” Kino zu machen. Und ich glaube, das sieht man den Bildern auch an.
In der Postproduktion haben wir dann auch dem, wie Sie es nennen, “dokumentarischen” Ansatz den eigenwilligen Schnitt, die sehr aufwendige Musik-Ton-Bearbeitung, und vor allem eine völlig neuartige Technik der Digital-Abtastung auf Film entgegengesetzt. Der “Look” von “planet alex” liegt jetzt irgendwo zwischen Super8 und Technicolor…

– Sie bedienen sich hier verschiedenster Mittel aus Dokumentar-, Spielfilm, Musikclip und Werbung – es ist ja durchaus ungewöhnlich, daß solche Experimente mit unbekanntem Ausgang in Deutschland finanziert werden…

ums: Nun, wir hatten ein sehr kleines Budget von der ZDF-Redaktion des Kleinen Fernsehspiels. Deutschen Kinoverleihern und den Förderungsan-stalten war das Projekt zu riskant. Das hatte natürlich den Vorteil, daß uns niemand reingeredet hat, und wir sehr viele Freiheiten hatten, anders zu arbeiten, zu suchen, auszuprobieren und natürlich damit eben viel zu riskieren. Deshalb wollte ich auch ein sehr junges, noch nicht in Konven-tionen und Regeln des Filmemachens festgefahrenes Team um mich. In den ganz wesentlichen Positionen des Drehbuchs, der Kamera, des Schnitts und der Ausstattung waren dies junge Leute, die vorher noch keinen Spielfilm realisiert hatten. Ich denke, man spürt beim Sehen von “planet alex” die Lust und Leidenschaft des Teams und der Darsteller, den Film zu machen, den wir so schon lange im deutschen Kino vermißt haben…

– filmkonzeption (uli m schüppel, dez98)

In Berlin liegen die Geschichten „auf der Straße“. Wenn ich in einem U-Bahnabteil, oder auch am Alexanderplatz sitze, wünsche ich mir oftmals die Möglichkeit, mich an diese oder jene Person unsichtbar anzuhängen, um für einige Stunden oder Momente ihr folgen zu können und so ein Fragment von ihrer oder seiner Geschichte mitzuerleben.

Das Filmprojekt planet alex greift dieses beiläufige Mitgehen auf, wobei es letztlich zu der Erkenntnis führt, daß all diese vielen individuellen Geschichten innerhalb eines großen, übergeordneten Kontextes stehen. Bildlich gesehen wird hier ein System aufgezeigt, in dessen Mittelpunkt der Sendeturm des Alexanderplatzes wie eine imaginäre Sonne erscheint, um den herum unzählige Geschichten wie Planeten scheinbar unabhängig voneinander kreisen. In keinster Weise moralisch oder belehrend werden die ZuschauerInnen für die Verknüpfung und das Miteinander einer Gesellschaft sensibilisiert. Wie kommen Ereignisse zustande? Welchen Einfluß hat der Einzelne im Fluß des Geschehens tatsächlich? Und wenn zum Ende des Films drei junge Frauen auf dem Turm stehen, wird ein Zyklus beendet. Sie waren in einem Zusammenhang verknüpft, den sie nicht kennen konnten. Aus der Einzelperspektive konnten die Vernetzungen der Schicksale unmöglich gesehen werden. Aus der Distanz der ZuschauerInnen jedoch beinhaltet dieses Ende gleichzeitig einen vorstellbaren Neuanfang – eine Perspektive.
Die scheinbare Orientierungslosigkeit reflektiert das Lebensgefühl der dargestellten Figuren (des Ortes und der Zeit), und findet doch letztlich immer wieder zurück auf die tragende Handlungs- und Identifikationslinie.
Der zentralisierten Topographie des Alexanderplatzes wird eine vermeintlich dezentrale Erzählweise entgegengesetzt, die damit sowohl zeitgemäße Symptome einer subkulturellen Gesellschaft, als auch postmoderne Theorien des Erzählens aufgreift.

Die temporeiche Handkamera wird dabei fast zur handelnden, mitsuchenden Figur. Sie ist präsent, „selbstständig“ und „offensichtlich“, sowohl durch ihre Beweglichkeit, als auch in „ihren“ Entscheidungen von der zentralen Handlungslinie abzuschweifen, um lieber diesem oder jenem im Umfeld ihre Aufmerksamkeit zu widmen und nachzugehen. Letztlich sind natürlich diese „Umwege“ streng konstruiert und fließen immer wieder in und um die zentrale Krimi/ Liebesgeschichte.

PLANET ALEX – credits

– cast

asaki marusha

anna marie zielcke

katja nadeshda brennicke

jo baki davrak

walter ben becker

harald andreas schmidt

lisa regine zimmermann

milan birol uenel

kovàcs ralf knebel

eric jens kraßnig

tom mario mentrup

barkeeper ralf richter

businessman jochen nickel

traffic light couple meret becker  alex hacke

tourist couple katy beale  mick harvey

interview victim peer martiny

interviewer milena feßmann

dealer on love peppi streich

taxidriver steffen münster

– team

producer milanka comfort

director uli m schueppel

screenplay charlotte wetzel  uli m schueppel

director of photography alexander fischerkoesen

production design donia hamdami

costume jürgen knoll

make up artist elzbieta bumbul

editor elena bromund

filmmusic jacki engelken  ulrik spies

sound christian lutz  frank delle

sound design markus böhm  hanse warns

soundmix robert jäger

visual-postproduktion das werk, münchen

film laboratory arri kopierwerk, münchen

commissioning editor hans kutnewsky  das kleine fernsehspiel

production company de.flex – film  schüppel – comfort gbr

in co-production with z d f

additional music:

„save“  bobo, engelken & spies

„anna“  fetisch & meister

„jet“ & „straight way up“  marusha